Meine ersten Erfahrungen mit der RaspberryMatic CCU

21.02.2018
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Ich muss zugeben, die Zeit, in der ich jede neue Firmware sofort auf meine CCU-2 gespielt habe, sind schon länger vorbei. Und so rennt da noch eine mittlerweile ziemlich veraltete Version - aber sie rennt. Sofern man das "rennen" nennen kann. Mit dutzenden Gewerken und Räumen sowie mehr als 150 Programmen am Start, dauert das Laden der Geräteliste oder Programme schonmal einen Moment. Ganz kritisch wird es, wenn man mal einen neuen Raum oder ein neues Gewerk anlegen möchte.

Zugegeben - auch dafür gibt es mittlerweile eine recht komfortable Möglichkeit das Ganze wesentlich schneller hinzubekommen.

Wer pocketControl am Start hat, weiß vielleicht, wovon ich rede. Getreu dem Motto "Never touch a running system" habe ich mich auch die ganze Zeit davor gestreubt, mal ein wenig "über den Tellerrand" zu schauen. Auf dem letztjährigen HomeMatic-Usertreffen in Kassel war der Ansturm auf den Vortrag über RaspberryMatic nicht zu übersehen. Der kleine Pi rennt im Gegensatz zur CCU schon ganz gut, aber nüchtern betrachtet ist das eher was für Tüftler, die sich ein wenig mehr mit der Materie auskennen und auch die entsprechende Zeit haben, dass Ganze aufzusetzen und zu konfigurieren. Mittlerweile gibt es diverse Anleitungsvideos und Tutorials im Netz und richtig schwierig ist es auch nicht mehr. Dennoch benötigt man noch ein Gehäuse, ein passendes Netzteil, zum Einrichten evtl. noch eine angeschlossene Tastatur nebst Monitor usw.

Umso interessierter war ich nach der Vorstellung der RaspberryMatic CCU von PioTek in meinem letzten Artikel. Ich möchte an dieser Stelle nicht den Verkaufspreis zur Diskussion stellen - darüber gab es bereits diverse Beiträge im Forum und auf Facebook. Mit geht es in erster Linie um die Erfahrung, die ich - als zugegebener Laie auf diesem Gebiet - gemacht habe. PioTek hat mir zu diesem Test ein entsprechendes Muster zugesandt. Damit ich noch ein paar Bilder (siehe unten) machen konnte, kam das Gehäuse mit geöffnetem Deckel. Der Endkunde erhält ein fix und fertig zusammengebautes Gerät. Dieses ist bereits vorkonfiguriert und braucht nur noch mit dem mitgelieferten Netzteil und angestecktem Netzwerkkabel in Betrieb genommen zu werden. Achja: Zum Lieferumfang gehört noch eine kleine Stabantenne, die zuvor noch am Gehäuse anzuschrauben ist. Diese führt die sonst innen liegende Antenne nach außen und dürfte somit die Sende- und Empfangsreichweite positiv erhöhen. Zudem ist im Inneren noch eine Zusatzplatine verbaut. Was es mit dieser genau auf sich hat, wird sich in Zukunft noch zeigen ;-) Auf dieser ist zudem ein kleiner Taster verbaut, der zum Ein- und Ausschalten des Raspberry verwendet wird. Zu diesem Zweck führt der Gehäusedeckel einen runden Taster mit entsprechender Verlängerung auf die Platine. Nach einem kurzen Druck fährt der Kleinstcomputer hoch und signalisiert den Betriebszustand mit einem türkis leuchtenden Ring um den Taster.

Ich hatte mir zuvor von meiner CCU-2 ein Backup gezogen. Da dieses Backup u.a. auch die installierte Zusatzsoftware enthält, habe ich sicherheitshabler die nicht benötigten AddOns zuvor deinstalliert. Man muss an dieser Stelle darauf achten, welche AddOns auch für den RaspberryMatic erhältlich bzw. auf diesem lauffähig sind. Der PioTek Rechner kommt mit einem vorinstalliertem Paket aus AddOns. Neben dem obligatorischen CUx-Daemon ist dies auch ein AddOn namens "System Update". Dahinter verbirgt sich das GitHub-Paket "rmupdate" von j-a-n, das auch auf jedem anderen RaspberryMatic System installiert werden kann und die Möglichkeit bietet, mit einem Mausklick die zugrunde Firmware zu aktualisieren. Vorbei sind die Zeiten, in denen man wohl zuvor noch die SD-Karte mit einem neuen RaspberryMatic Image "flashen", und ein zuvor angelegtes Backup zurückspielen musste. Das AddOn erlaubt zudem die Aktualisierung der installierten Zusatzsoftware sowie die komfortable und einfache Einrichtung von WLAN. Dazu werden alle erkannten Drahtlosnetzwerke aufgelistet, die mit einem Klick und Eingabe des entsprechenden Schlüssels verbunden werden können. Damit lässt sich die "CCU" auch an Orten aufstellen, an denen kein LAN-Kabel vorhanden ist.

Das Erstellen des o.a. Backups dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Umso erstaunlicher, dass das Zurückspielen auf dem Raspberry nur ein paar Sekunden gedauert hat. Misstrauisch wartete ich auf den Anmeldebildschirm, der nach einem Reboot des Rechners auch nicht wirklich schneller kam als auf meiner alten "CCU-2". Das war bisher aber auch das Einzige, was "langsam" ist. Sobald man sich auf dem WebUI angemeldet hat, liegen Welten zwischen dem Raspberry und der CCU-2. Das Laden meiner Geräteliste passiert in weniger als fünf Sekunden (vorher ~30-35 Sekunden). Noch schneller geht das Abrufen der Programme und Zentralverknüpfungen. Hiermit dürfte das Bearbeiten und Anlegen neuer Programme nach langer Zeit wieder einmal Spaß machen. Sogar das Laden der Räume- bzw. Gewerkeliste geht schneller als auf der alten CCU - wobei so richtig schnell ist das immer noch nicht. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was da im Hintergrund alles gewerkelt wird und warum das (schon immer) so lange dauert. An dieser Stelle sei nochmal der Tipp von oben erwähnt, die Räume und Gewerke lieber über pocketControl (sofern man im Besitzt dieser iOS-App ist) zu verwalten - das geht damit im Vergleich rasend schnell.

Die RaspberryMatic CCU läuft bei mir nun seit ein paar Tagen völlig unauffällig - und das im positiven Sinne. Keinerlei Abstürze, die Programme laufen (und werden gefühlt auch wesentlich schneller ausgeführt), der Fernzugriff über CloudMatic funktioniert nach wie vor, das Tablet an der Wand mit NEO funzt noch und auch von meiner "Regierung" konnte ich nichts negatives hören.

Was ist jetzt der Vorteil gegenüber der CCU-2?

Ganz so schnell und einfach lässt sich diese Frage in meinen Augen gar nicht beantworten. Sofern man nicht viel mit seiner CCU macht und diese nur so vor sich hinwerkelt, braucht man eigentlich keine "Neue". Hat man jedoch viele Geräte am Start, die über entsprechende Verknüpfungen und Programme gesteuert werden, und ändert bzw. erweitert man sein System häufig, kann die Ausführgeschwindigkeit der "alten" CCU ganz schön nerven - vor allem, wenn man mal gesehen hat, wie schnell das alles eigentlich sein kann. Ein weitere Vorteil ist die Community. Das RaspberryMatic Image basiert auf dem "HomeMatic-Open-Central-Control-Unit-SDK" (HM-OCCU-SDK), also einer von eQ-3 auf GitHub zur freien Verfügung gestellten Sammlung von "Binary-Packages" für verschiedene CPU Architekturen. Dadurch landen Verbesserungen bzw. Erweiterungen an der Firmware teilweise viel früher auf dem RaspberryMatic, bevor diese in die offziellen Firmware für die CCU-2 übernommen werden. Zudem arbeiten viele engagierte Entwickler (in ihrer Freizeit) daran, die Funktionalität und Stabilität des HomeMatic-Systems allgemein zu verbessern.

Das Schöne an der PioTek RaspberryMatic CCU ist das Plug&Play-Prinzip. Auch als Laie kann man damit die Vorzüge des wesentlich schnelleren RaspberryMatic genießen, ohne sich mit der zugrunde liegenden Techik auseinandersetzten zu müssen. Wer lieber basteln möchte und sich ein wenig mit der Shell auskennt, der kauft sich die erforderlichen Komponenten einfach selber und spart damit auch noch Geld. Allle anderen könnten mit der PioTek-Variante aber durchaus glücklich werden, zumal der Händler eine zweijährige Gewährleistung auf das Gerät gibt und dieses "Ready-To-Go" geliefert wird.

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